Das von dem Klarinettisten Dieter Klöcker gegründete Kammermusikensemble Consortium Classicum spielt in variabler Besetzung entweder nur mit Bläsern, oder gemischt mit Streichern bis hin zum Nonett. Neben der selbstverständlichen Pflege des Standardrepertoires werden auch zahlreiche wieder entdeckte Musikschätze zu neuem Klang belebt
Bei den Mitgliedern handelt es sich um Solisten, Hochschulprofessoren und Stimmführer aus Spitzenorchestern, die den Ensemble-Gedanken in einer sehr eigenen und konsequenten Form pflegen.
Das Consortium Classicum wurde vielfach ausgezeichnet und war Gast bedeutender Festivals (Salzburger Festspiele, Wiener Festwochen, Berliner Festwochen, Schleswig-Holstein-Musikfestival, Ludwigsburger Schlossfestspiele u.a.). Reisen durch die USA, Südamerika, Japan, Russland, China, Australien und Europa unterstreichen den globalen Anspruch. TV-Dokumentationen im ARD, ZDF, ORF, Japan TV, Schweizer Fernsehen und anderen Anstalten schärften das künstlerische Profil der Gruppe und machten es einem großen Fernsehpublikum sichtbar. CD-Aufnahmen bei EMI, ORFEO, MDG, CPO, Teldec, Columbia Artists, etc. runden das Medienbild ab.
Introduktion
Das Consortium Classicum ist ein Kammermusikensemble, das überwiegend der „absoluten Musik“ verpflichtet ist. Diese Idee, „entstanden in der romantischen
Musikästhetik um 1800 bestimmte anderthalb Jahrhunderte lang in der europäischen Tradition der Instrumentalmusik die Vorstellung davon, was Musik eigentlich sei“ (Dahlhaus). Daß bei zahlreichen kritischen, oft dogmatisch-subjektiven Wertungen viele Meister aus Barock, Klassik und Romantik nicht die ihnen zustehende Würdigung erhielten, darf nicht verwundern.
Mit seinen zahlreichen Forschungen zieht das Consortium Classicum eine Linie mit Standardwerken und Wiederentdeckungen - etwa zwischen Carl Philipp Emanuel Bach und Witold Lutoslawski, wobei die Wiederbelebungen aus dem Zeitalter der Aufklärung teilweise mit Manuskripten aus Adels- oder Klosterbeständen der Bibliotheken des aufgeklärten Absolutismus erforscht wurden. Daß diese Suche mit der damit verbundenen öffentlichen Interpretation gerade in unserer Zeit eine besondere Notwendigkeit ist, zeigt der vierzigjährige Zuspruch des Publikums zu den Konzerten und Einspielungen des Consortiums. Diese Reaktion, welche wohl zu Recht erfolgte, hängt mit der hohen Qualität von Werk und Interpretation zusammen, haben wir es doch bei unseren Ressourcen nicht mit unerschöpflichem Material zu tun.
Ein weiterer Grund für diese musikalischen Stimmungen und für die damit verbundenen mangelnden Perspektiven ist meiner Ansicht nach der vernachlässigte Umgang mit Komponisten, die wenig Glück damit hatten, durch die Öffentlichkeitsarbeit ihrer Verleger oder Mäzene den Weg in die großen europäischen Musikzentren zu finden, oder die durch Krankheit, Krieg und frühen Tod ihr Werk nicht weiter entwickeln konnten. So sind wir beispielsweise zu schnell in die experimentelle Musik gegangen, ohne unsere Vergangenheit gründlich aufzuarbeiten. Künstler, die geographisch an der Peripherie des musikalischen Geschehens lebten, ereilte ein ähnliches Schicksal. Viele Komponisten, welche wir im CC pflegen, wurden in eine Zeit hineingeboren, in der Säkularisierungstendenzen nicht nur „fromme Gemüter“ erregten. Im letzten Dezennium des 18. und in den ersten des 19. Jahrhunderts, in denen Europa politisch neu geordnet wurde, der Freiheitsgedanke der Französischen Revolution zur Auflösung von Klöstern und Hofkapellen führte und die Religion grundsätzlich in Frage gestellt wurde, in dieser Atmosphäre des politischen und gesellschaftlichen Umbruchs - nicht zuletzt auch ausgelöst durch die Reformen Joseph II - war es für sie schwer, Platz und Stil zu finden. Diese Künstler irgendwo einzustufen – etwa als Beethoven-Epigonen oder gar als Beethoven- oder Mozart-Ersatz, als Eklektizisten, die sich an Haydn goutierten? – alles wäre falsch, Sie waren überzeugte Individualisten.
Voller Unsicherheit und Mißtrauen „Neuem“ gegenüber verhält sich – damals wie heute – der Interpret und auch die große Zahl des Konzertpublikums. Insofern sitzen Neutöner und Darsteller unbekannter klassischer oder romantischer Musik in einem Boot. Diese Einstellung gilt weniger für die außereuropäischen Länder als gerade für Zentraleuropa, besonders aber für Deutschland, Österreich, die Schweiz, Italien und Frankreich. Sehr treffend hat dazu der Literaturkritiker Reich-Ranicki einmal angemerkt: „..... In dem Land (gemeint ist Deutschland), in dem man zwar Bach schätzt, aber Offenbach unterschätzt, wo man die Wagner und Bruckner verehrt und die Nicolai und Lortzing herablassend belächelt, wo die Walzerkönige ebenso gebraucht wie bagatellisiert werden, da kann man nicht oft genug erinnern: Verachtet mir die kleinen Meister nicht! .....“.
Wir waren nie gezwungen, apologetisch unsere Ideen beim Publikum durchzusetzen, sondern die Menge der Zuhörer kam ganz von selbst auf uns zu und applaudierte in dem Sinne, daß dieses Fundament der Wiederentdeckungen zu einem langjährigen Bestand des Consortiums führte. Gestärkt durch die Erfahrungen am Unbekannten kam das Consortium bei seinen Interpretationen der Standardliteratur stets zu exzeptionellen Darstellungen, die dann auch auf dem Gebiet der Tonträger durch zahlreiche Preise gekrönt wurden.
© Dieter Klöcker
Consortium Classicu
